Jahresberichte des Kulturarchivs

Hier folgt der aktuelle Jahresbericht des Kulturarchivs Oberengadin.
PDF-Download des Jahresberichts 2015 sowie früherer Jahre finden Sie hier.

Jahresbericht 2016
Kulturarchiv Oberengadin / Archiv Culturel d'Engiadin'ota

Bedeutung des Archivs
Das Kulturarchiv Oberengadin, das seine Bestände in zwölf Depoträumen in der Chesa Planta Samedan eingeordnet hat, gewinnt von Jahr zu Jahr an Bedeutung. Archivalien, die zu Beginn eher unbedeutend schienen, sind heute sehr gefragt. Dies zeigen beispielsweise die 1993 kistenweise übergebenen liturgischen Gegenstände der Englischen Kirche Pontresina, die in der aktuellen Sonderausstellung im Museum Alpin in Pontresina einen zentralen Stellenwert einnehmen. Das Kulturarchiv selbst ist durch die rationell organisierte Einlagerung und ansprechende Präsentation der Dokumente und Objekte zu einem sehenswerten Ort geworden, der zu den „15 Kulturorten in der Schweiz, wo was los ist“ (Buchpublikation, Zürich 2016) und zählt zu den „111 Orte, die man gesehen haben muss“ (Buchpublikation, Köln 2017).
Einheimische und Auswärtige jeden Alters erkennen seinen Stellenwert, nutzen es als Informationsquelle zur Engadiner Geschichte und tragen durch wichtige Aussagen und Dokumente zum weiteren Aufbau des Archivs wesentlich bei.
Die von der Fundaziun de Planta eingerichtete Alarmanlage zur Warnung vor Feuer, Wasser und Einbruch trägt im ganzen Haus wesentlich zur besseren Sicherheit bei.

Präsenz des Archivs
Im Geschäftsjahr 2016 hat das Kulturarchiv Oberengadin weiterhin fest daran gearbeitet durch Präsenz in den Medien in der Öffentlichkeit sichtbar zu sein und bei verschiedensten Leuten das Interesse an der Engadiner Geschichte zu wecken. Da in Graubünden die Kreise abgeschafft werden und die Vernehmlassung des neuen Kulturförderungsgesetzes des Kantons Graubünden vorbereitet wird, war es wichtig an diversen Veranstaltungen und Besprechungen anwesend zu sein um unsere Anliegen zu vertreten. Im Vorstand wurde darüber beraten und die Präsidentin Dora Lardelli, Vizepräsident Patrick Blarer und Vorstandsmitglied Dr. Silvio Margadant beteiligten sich an Gesprächen und Sitzungen des Kreises Oberengadin, der Oberengadiner Präsidentenkonferenz, der Musikschule Oberengadin, einiger Oberengadiner Museen, der Museen Graubündens und an kantonalen Podiumsgesprächen.
Die regelmässige Präsenz an Ausstellungen und Anlässen wie etwa im Berichtsjahr 2016 an der Festa Segantini in Savognin, an der Ganzjahresausstellung im Foyer des Hotels Laudinella St. Moritz, an Ausstellungen im „La Tuor“ in Samedan und in der Rimessa Castelmur in Stampa/Coltura und mehrere Vorträge über das Archiv und dessen Bestände, sowie Führungen durch die Depots haben ein zahlreiches Publikum auf die Institution aufmerksam gemacht.
Die Vernetzung der diversen Archive, die im Jahr 2015 durch die Aufnahme der Kulturarchive in die Vereinigung „Museen Graubünden“ bereits intensiviert wurden, wird durch die Übernahme unseres Online-Inventarisationsmodells von Seiten des Archiv Culturel Engiadina Bassa, der Segantini-Archive und des Archivs Foppa (es schliesst mehrere Archive im Bündner Oberland zusammen) zusätzlich verstärkt.

Nutzung des Archivs
Die Bestände des Kulturarchivs Oberengadin, auf welche Schüler, Studenten, Einheimische, Gäste aus dem Tal, der restlichen Schweiz und dem Ausland mittels Online-Inventar, Ausstellungen, Publikationen und Werbung in den Medien aufmerksam gemacht werden, stossen auf immer grösseres Interesse.
Zahlreiche Leute besuchten und nutzten das Kulturarchiv, weil sie auf Artikel in  Publikationen gestossen sind (beispielsweise jenen über den Fotografen Gustav Sommer in der Dezember-Nummer 2016 der „Terra Grischuna“) oder sich an die eindrücklichen Lichtspiele von Mark Blezinger/AlpenMythenSehen zu den Herbarien (25-Jahr-Jubiläum des Kulturarchivs Oberengadin 2013) oder an die Belle- Epoque-Ausstellung im Palace Maloja (2014/2015) erinnern.
Stets ist das Online-Inventar des Kulturarchivs Oberengadin von zentraler Bedeutung. Via Internet stossen Interessierte auf unsere Dokumente. Oft wenden sie sich daraufhin telefonisch oder schriftlich an uns um weitere Informationen und Digitalisate zu erhalten oder kommen persönlich vorbei um die Archivalien genauer zu studieren.
Besondere Aufmerksamkeit wird Schülern und Studenten gewidmet, die das Archiv für ihre Schul- oder Semesterarbeiten nutzen. So wertete die Studentin Teolinda Wenzin, HTW Chur, unsere Informationen über den Betrieb für ihre Masterarbeit „Grobkonzept für ein Kulturarchiv in Domat/Ems“ aus.
Für Leute, die sich mit der Geschichte des Tals auseinandersetzen, ist das Kulturarchiv Oberengadin eine regelrechte Fundgrube. Umgekehrt sind diese Benutzer für uns wichtige Informanten zum Archivmaterial, das bereits bei uns lagert, oder zu solchem, das zu uns kommen sollte. 2016 hatten wir mehrere Kontakte zu Dr. Cordula Seger, Literaturwissenschaftlerin, Marie-Claire Jur, Journalistin Engadiner Post, Claudio Chiogna, Lokalhistoriker, Silvia Schaub, Buchautorin, Francine Speiser (Masterarbeit zu Segantini), Dr. Marc Seidl (Dekorationsmaler Antonio de Grada), Monica Rottmeyer (Kulinarisches Erbe der Alpen), Christian Dettwyler, Redaktor Terra Grischuna, Paul Müller, Michael Schmid und Deborah Favre vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft, Dr. Roland Flückiger (spezialisiert auf historische Hotels), der Denkmalpflege Bern, der Arbeitsgruppe „55. Partisanenbrigade Fratelli Rosselli“, Judith Burri (Park Ela), Bernhard und Rita Cathomas, Ettore Comi, Regisseur, mit REC/RSI Lugano und zum Frauenkulturarchiv Graubünden.
Das Archiv wird auch immer wieder als stimmungsvolle Kulisse für Filme genutzt, so auch für das Interview mit  Dolf Kaiser im Film über die Samedaner Stummfilmschauspielerin Maria Carmi der Regisseurin Claudia Knapp.

Ausgeführte Inventarisationsarbeiten 2016

Nachlass Giuliano Pedretti, Celerina
Eingang 27.2.2015 (2. Teil)
Der als Vermächtnis durch die Witwe Marie-Anna Pedretti übergebene Nachlass des Mitbegründers des Kulturarchivs Oberengadin und Bildhauers Giuliano Pedretti wurde detailliert geordnet, inventarisiert und in säurefreie Plis und Schachteln gelegt.
Tausende von Briefen, Fotografien, Publikationen und Tagebuchnotizen geben Auskunft über das Umfeld und das Wirken des Bildhauers, der auch Sgraffito-künstler und Gestaltungsberater war. Die Dokumente befinden sich in dem nach ihm benannten Depot 9. Eine ausführliche Filmdokumentation, die auf einem Bildschirm angeschaut werden kann, ergänzt die Information über den Künstler. Vor dem Eingang zum Archivraum stösst der Besucher auf Giuliano Pedrettis grosse Bronzeskulptur „Der Künstler in Ekstase“ (Leihgabe von Marie-Anna Pedretti), die auf sein einzigartiges bildhauerisches Werk hinweist.

Schenkung Cresta Palace, Celerina
Eingang 24.4.2015
Die von den ehemaligen Hoteldirektoren Elisabeth und Hanspeter Herren übergebenen über 100 Pläne, Zeichnungen und Schriften dokumentieren das prächtige Jugendstilhotel Cresta Palace in Celerina. Darunter befinden sich ausgeführte und nicht ausgeführte Pläne, einige kunstvolle aquarellierte Zeichnungen und Teile der Ausstattung, die heute nicht mehr vorhanden sind.

Schenkung Calvin Baeder-Gabriel, St. Moritz
Eingang 18.3.1999
Die Dokumentation betrifft verschiedene Familienmitglieder Gabriel. Die von Hans Gabriel, Gemeindeschreiber in Sils-Maria, hinterlassenen Dokumente geben Einblick in den Alltag, die Interessengebiete, die Anliegen und die berufliche Tätigkeit der Engadiner Familie. Sie umfassen amtliche Dokumente über kulturgeschichtliche Aspekte wie z. B. zur Anbauschlacht im Engadin (1939-1945) und eine Hebammenstatistik.
Von Peter Gabriel, der 1926 nach Kanada ausgewandert und dort als Ski-Instruktor in der amerikanischen Armee tätig war, finden wir z. B. eine Medaillenauszeichnung der amerikanischen Armee für eine kühne Lebensrettungsaktion, ein Verzeichnis über Eisenbahnen Europas (1932/1936), Fahrausweise, Zeitungsartikel und Zeichnungen. Im Nachlass befinden sich auch Bücher, Prospekte, Post- und Glückwunschkarten, Fotos, Scherenschnitte, Drucke, Verträge, Ausweise, Reglementkarten, Schnitzelbänke, die Glosse «Il Tössi» aus Sils (1939–1945), Artikel, Tagebücher und zudem diverse Objekte wie etwa zwei der ersten Bobschlitten, eine Futterkräze (um 1900), eine Tafel der Silsersee-Schifffahrt (um 1930), ein gerahmtes Plakat der Bernina-Bahn (um 1930) und  Bluozchers (Spielgeld aus Blei, 19. Jahrhundert).

Regionalplanung Oberengadin
Eingang 17.8.2006 bis 4.6.2008
Die umfangreiche Dokumentation der Regionalplanung Oberengadin wurde von deren Präsidenten Marcel Hofmann, der mit dem Büro Steiger von 1970 bis zur Auflösung der Organisation 1989 (Übernahme durch den Kreis Oberengadin) im Amt war, übergeben. Unzählige Verhandlungsunterlagen, Pläne und Berichte erzählen von baulichen Massnahmen, den Bedürfnissen der Bevölkerung, dem Umgang mit der Natur usw. Sie geben Einblick in die zahlreichen regional zu lösenden Probleme wie Wintersicherheit der Strassen, öffentlicher Verkehr, Schulen, Alterssiedlungen, Naturwissen-schaftliches (Lärchenwickler) usw.

Architekturnachlass Otto Kober, Pontresina
Eingang 15.10.1996
Der umfangreiche Plannachlass des in St. Moritz niedergelassenen Architekten Otto Kober gibt Auskunft über Engadiner Bauten der Zeit von 1945 bis 1973. Es handelt sich vor allem um Umbauten diverser Hotels in Pontresina, der Tal- und Bergstation Diavolezza, des Kreisspitals Samedan, aber auch einiger auswärtiger Arbeiten wie die Innenausstattung der Evangelischen Kirche Valendas und Aufträge der AG Bündner Kraftwerke.

Schenkung Florio Pult, Promontogno
Eingang 20.8.1990
Die Dokumentation von Florio Pult und seinen Vorfahren gibt Einblick in das Leben und die Tätigkeit der durch die Nusstorte „Pultorte“ weltweit bekannten Familie. Der Bestand enthält die Geschäftsbücher des Pultorte-Geschäfts, Manuskripte, Briefe, Pläne und Zeitungsausschnitte zur Jugendstil-Villa Maria in Samedan, Fotografien zu Samedan, der „Schlitteda 1. favrer 1896“, den Familien Pult-Klainguti in Genua, Stereoskopaufnahmen von Ausflügen und Engadiner Berglandschaften, des RhB-Eröffnungsfestes in Samedan (1903) sowie Porzellangeschirr und Gläser aus Engadiner Konditoreien.

Nachlass Bernd Langer, Garmisch-Partenkirchen
Eingang 1.12.1989
Der Nachlass des zeitweise im Engadin weilenden Schlesiers setzt sich aus Manuskripten, Notizen, Korrespondenz, publizierten Artikeln und Büchern der Zeit von 1920 bis 1960 zusammen. Zu seinem Buch „Leb wohl mein liebes Engadin“ finden sich Typoskripte und Kritiken. Die meisten seiner Schriften befassen sich mit dem europäischen Zeitgeschehen und Persönlichkeiten der Kultur.

Nachlass Egon Scolari, Samedan
Eingang 17.10.1998
Die Dokumentation gibt Einblick in das Leben einer Engadiner Familie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die in Samedan ihre Tätigkeit entfaltet hat, aber auch den Kontakt zur Kunstwelt Europas suchte.
Der Bestand enthält Fotos von Personen des Engadins, Kunstpostkarten, Reproduktionen, Bücher, Zeitungsartikel über ganz Europa aus der Zeit 1920 bis 1960, zudem Kassa- und Inventarbücher des Stoff- und Textilgeschäftes Scolari, Unterlagen zum Spital, dem Schweizerischen Alpenclub usw.

Nachlass Segantini, Maloja
Eingang 21.8.2001 bis 2014
Die Inventarisierung und Digitalisierung der Dokumente über Giovanni Segantini, seine Familie und seine Bekannten – insbesondere Briefe, Manuskripte, alte Fotos, Publikationen in Zeitschriften, Aufsätze – wird in einem mehrjährigen Programm ausgeführt. 2016 wurden über 300 Dokumente digitalisiert, erschlossen und teilweise ins Inventar aufgenommen.
Für die vielen Dokumente wurde eine spezielle Abteilung im Depot 9 des Kulturarchivs und ebenso auf der Online-Inventar-Plattform eingerichtet.

Schenkung Gian Andrea Nogler, Bever und Zürich
Eingang 28.8.2008 und 14.8.2015
Der reichhaltige Bestand umfasst über 1300 Schriften aus dem Haus Nogler in Bever die Familien Biveroni, Cloetta, Buol, Juvalta, Tognoni, Marolani, Gadina-Schlarer in Bever und Casaccia (um 1650-1850) betreffend. Sie enthalten Familienkorrespondenz, Verträge betr. Grundstücke und Gebäude, Geschäftliches über die Firma Danz & Perini in Triest (um 1800–1820), die Kerzenfabrik Joost & Tognoni (um 1800), die Eisenwarenhandlung Jenatz, Romedi, Griott in Triest (um 1800–1820), Statuten des Oberengadins (1866) und Entwürfe dazu, Stammbäume usw. Die Dokumente sind eine wichtige Quelle über Alltag, Hausbesitz im Oberengadin und im Bergell und Geschäftsbeziehungen im In- und Ausland der Engadiner und Bergeller Familien.

Schenkung Dora Lardelli, Roticcio, Vicosoprano
Eingangsdatum: 19.8.2015
Die umfangreiche Dokumentation über die Engadiner Belle Epoque, Architekten, Künstler, Dekorationskünstler und Restaurierungsarbeiten, Fotografien, Abbildungen, Notizen, Aufzeichnungen und Literatur aus der Zeit von 1830 bis 2015 ist sehr gefragt. Die Papierdokumente sind im Depot 10 untergebracht und die digitalen auf der Archivfestplatte abgelegt und beschriftet.

Nachlass Gino Späth, Celerina
Eingangsdatum: 11.6.2008
Die Dokumentation des Bierbrauingenieurs Gino Späth, welche die Bierherstellung in verschiedenen Gebieten der Alpen betrifft, wurde in das Depot 7 disloziert, wo sie besser zur Geltung kommt, und detaillierter inventarisiert. Immer wieder melden sich Interessierte, um sich über Bierrezepte, wirtschaftliche Aspekte oder Fachliteratur zu informieren oder die grafisch ansprechend gestalteten Bierdeckel, etiketten, Humpen und Plakate anzusehen.

Diverse Inventarisationsarbeiten, konservatorische Überprüfung und Verbesserung der Ablage, Digitalisierung und Online-Inventar
Von den Archivalien, die während des ganzen Jahres ins Kulturarchiv Oberengadin gelangen, wurde jeweils beim Eingang ein Übernahmeprotokoll und eine Übersichtsliste erstellt. Kleinere Dokumentengruppen wurden sofort inventarisiert. Zu diesen Dokumenten gehören beispielsweise alte Fotos der Villa La Rosée in Maloja, ein Bild von Hans Rudolf Ott, Schmetterlingfotos von Jean-Pierre Zuber, Pläne aus dem Haus Gensler in Samedan, Dokumente der Familie Caratsch, Programmhefte der Engadiner Konzertwochen, Ansichtskarten des Engadins, Dokumente zum Dekorationsmaler Antonio de Grada, Glasnegativplatten, alte Schriften, Reisepässe, besondere Bücher und auch einige Objekte wie eine spezielle Truhe, eine Arbeitstracht und Backformen.
Aus archivtechnischen Gründen und um die Nutzung zu optimieren mussten diverse Dokumente umgeordnet werden.
Die konservatorischen Bedingungen wurden durch Einrichtungsarbeiten zur Ablage verschiedener Formate und die Schaffung grösserer Boden- und Wandabstände deutlich verbessert.
Die Sichtbarkeit im Internet und das Digitalarchiv wurden weiterentwickelt.
Zahlreiche Filme aus den 30er- bis 60er-Jahren wurden durch das kantonale Online-Portal, an welchem das Kulturarchiv Oberengadin in der Pilotprojektphase beteiligt ist, digitalisiert. Unser Mediafachmann Gian-Nicola Bass nahm an den diesbezüglichen Besprechungen und Präsentationen in Chur teil.
Auch die Zusammenarbeit  mit der Online-Plattform der Fotostiftung Graubünden wird weitergeführt. Unsere Digitalbestände werden laufend aufgeladen.
Wir haben die Stiftung auf die Sammlung Jeck (mit vielen Bündner Fotos) aufmerksam gemacht worauf auch diese aufgenommen wurde.
Die Kulturarchiv-Bestände sind neuerdings auch auf der Seite der Nationalbibliothek abrufbar.
Im Jahr 2016 wurde das ganze Online-Inventarsystem des Kulturarchivs Oberengadin einer Aktualisierung unterzogen, die noch bis 2017 dauert.

Bekanntmachung des Kulturarchivs Oberengadin

Führungen
Während des ganzen Jahres, donnerstags um 16.00 und 17.00 Uhr und auf Anfrage auch ausserhalb dieser Termine führten Dora Lardelli und ihre Mitarbieterinnen und Mitarbeiter durch das Archiv (in vier Sprachen). Das Angebot wurde in den Medien, in Programmheften und auf Plakaten bekannt gegeben.
Das Kulturarchiv Oberengadin wurde rege von Medienleuten, Gästen und Einheimischen genutzt. Ohne Voranmeldung konnte man das Kulturarchiv während des ganzen Jahres jeweils am Donnerstagnachmittag von 14 bis 19 Uhr besuchen oder um 16 und 17 Uhr an Führungen teilnehmen. Auf Voranmeldung wurde das Archiv an jedem gewünschten Tag geöffnet.

Arbeitseinheiten für Schulen und Bildungsinstitute
Schulen und Bildungsinstitute wurden durch Kontakte zu Lehrern, Schulen und Universitäten auf das Kulturarchiv Oberengadin aufmerksam gemacht. Dutzende von Schülern und Studenten konnten für ihre Matura- oder Masterarbeiten vom Archiv profitieren. Sie fanden zum Beispiel Dokumente über Hexen im Engadin und Bergell, Segantini-Ausstellungen, Musik und Architektur im Engadin.
Besonders intensiv war die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordostschweiz, Institut 4D-Technologie. Frau Prof. Doris Agotai liess zwei Studenten, Gzim Ukshini und Roman Fritschi, anhand des Segantini-Nachlasses als Semesterarbeit die visuelle Präsentation „Willkommen zur interaktiven Entdeckungsreise rund um Giovanni Segantini“ ausarbeiten. Dafür liess sich das Kulturarchiv vom Schweiz. Institut für Kunstwissenschaft und Dr. Diana Segantini beraten.
Auch Francine Speiser (Universität Basel) arbeitete während der Vorbereitung ihrer Masterarbeit über die Ausstellungen Segantinis im Archiv.

Vorträge und Ansprachen 2016 von Dora Lardelli als Präsidentin des Kulturarchivs Oberengadin
14. Januar: Einführung zur Ausstellung von Kaspar Donatsch, Hotel Donatz, Samedan
15. Januar: Vortrag zur Ausstellung Giovanni Segantini und Camill Hoffmann im Atelier Segantini Maloja
19. Januar: Vortrag „Die Erfindung des Kulturarchivs“ im Rahmen des Kiwanis-Clubs, Cresta Palace, Celerina
23. Januar: Vortrag über Albert Steiner, Hotel Kempinski, St. Moritz
9. Februar: Vortrag über das Kulturarchiv und die Dokumente der Belle Epoque für den Cresta Club, Forum Paracelsus, St. Moritz
25. Februar: Referat „Moderne Kunst um 1900 im Engadin“, La Tuor, Samedan
30. Mai: Einführung zur Ausstellung von Camill Hoffmann im Hotel Laudinella
2. Juni: Führung in den Ateliers Turo und Giuliano Pedretti in Celerina für die Pro Grigioni Italiano
25. Juni: Vortrag und Führung über die Belle Epoque, im Rahmen der Exkursion der Historischen Gesellschaft Graubündens, Kronenhof Pontresina
13. Juli: Führung durch die Ateliers Turo und Giuliano Pedretti in Celerina für den Ambassador-Club
17. Juli: Vernissageansprache zur Ausstellung von Elvezia Michel, Rimessa Castelmur, Coltura, Stampa
17. August: Vorstellung des Kulturarchivs Oberengadin im Rahmen der Kunstgesellschaft Pontresina, Morteratsch, Pontresina
8. September: Führung durch die Ausstellung im Atelier Segantini, Maloja, mit einer Gruppe von Maria Steiner, Enkelin von Gustav Sommer
16. September: Kurzansprache über Segantinis Dokumente zu Savognin, im Rahmen von AlpenMythenSehen und der Festa Segantini, Savognin
17. September: Fachvortrag „Segantini – Schriften, Briefe und Fotografien“ im Rahmen der Festa Segantini, Savognin
3. Oktober: Vorstellung des Kulturarchivs Oberengadin im Rahmen der Filmprojektvorstellung „Il mistero del Lago di Staz“ von Ettore Comi, RSI, Centro culturale Svizzero in Mailand

Interviews für Medien
13. Dezember: I due Giovanni – Dokumente im Atelier Segantini, Maloja, RSI
Die Sendung, die am 4. Januar 2017 ausgestrahlt wurde, hatte einen guten Werbeeffekt für das Kulturarchiv.

Ausstellungen
Multimedia-Ausstellung „Dekorationsmalerei der Belle Epoque“
Forum Paracelsus, St. Moritz, 8. bis 19. Februar 2016
Kulturarchiv Oberengadin in Zusammenarbeit mit AlpenMythenSehen
Im restaurierten Gebäude der alten Quellfassung St. Moritz wurde im Februar 2016 ein Lichtspiel von Dekorationsmalereien, Schablonen, Quellengestalten, Fotos von Persönlichkeiten und Gebäuden der Engadiner Belle Epoque aus dem Fundus des Kulturarchivs Oberengadin gezeigt.
Dafür kamen Mark Blezingers als Module konzipierten Filme, die im Maloja Palace in der Ausstellung „Lichtrausch Belle Epoque“ 2014/2015 zu sehen waren, wieder zum Einsatz. Die Multimediaschau wurde am 8. Februar 2016 öffentlich mit Vortrag zur Belle Epoque und Ausstellung der Originaldokumente des Archivs gezeigt, am 9. Februar im Rahmen des traditionsreichen Cresta-Clubs (ca. 80 Teilnehmer) mit Vortrag über das Kulturarchiv und die Belle Epoque, ebenfalls mit Originaldokumenten, und am 12. Februar im Rahmen eines Vortragsabends des Forums Engadin.

Ausstellung, Hörspiel und Lichtspiel mit den Segantini-Dokumenten und den historischen Herbarien in Savognin
Kulturarchiv Oberengadin in Zusammenarbeit mit Parc Ela und AlpenMythenSehen im Rahmen der „Festa Segantini“, Savognin, 17. bis 24. September 2016 und 23. Dezember 2016 bis 8. Januar 2017.
Aus dem reichhaltigen Segantini-Fundus hat das Kulturarchiv Oberengadin ein mit vier Paneelen illustriertes, 14 Minuten dauerndes Hörspiel zusammengestellt, das während der Festa Segantini und des Lichtspiels „Luce del Paradiso“ im Beinhaus der Kirche Son Martegn zahlreiche Besucher anzog. Zudem stellte das Kulturarchiv in einer stimmungsvollen Scheune 21 original gerahmte alte Lithos und Radierungen zu Bildthemen von Giovanni Segantini, teils der Söhne Gottardo und Mario, mit Motiven aus. Die Herbarien (ebenfalls aus dem Fundus des Kulturarchivs) wurden von Mark Blezinger im meisterhaft zusammengestellten Lichtspiel zu Segantini auf die Kirchenfassade Son Martegn projiziert und waren mehrere Wochen in verschiedensten Stimmungen zu sehen. Auch die Theatergruppe von Annina Giovanoli konnte als Grundlage für die Aufführung zahlreiche im Kulturarchiv Oberengadin deponierte Briefe nutzen. Ebenso wurden mehrere Dokumente (aus dem Fundus des Kulturarchivs) für die Fachvorträge genutzt. Die aussagekräftigen Briefe, Schriften, Fotos – zum Teil bisher unpublizierte Stücke – erlaubten einen unverfälschten, direkten Zugang zu den Gedanken und Begebenheiten um Giovanni Segantini in Savognin (1886-1894).

Ausstellung „Elvezia Michel – non lontana dai Giacometti“ im Bergell
Rimessa Castelmur, Stampa, Coltura, 17. Juli bis 27. August 2016
Kulturarchiv Oberengadin in Zusammenarbeit mit der Rimessa Castelmur
Das beeindruckende Werk der Künstlerin Elvezia Michel, das im Kulturarchiv Oberengadin aufbewahrt ist, wurde dem Publikum nach langer Zeit wieder einmal gezeigt. Die stimmungsvolle Ausstellung erntete bei der Bevölkerung und in der Presse grossen Erfolg.

Jahresausstellung „Ein Kamel in St. Moritz – Camill Hoffmann, 1861–1932“
im Foyer des Hotels Laudinella, St. Moritz, 30. Mai 2016 bis 30. April 2017
Kulturarchiv Oberengadin in Zusammenarbeit mit Hotel Laudinella
Camill Hoffmann kam als junger Pfarrer kurz nach 1890, zu einer Zeit in welcher sich die Hotellerie stark entwickelte, nach St Moritz. Es gelang ihm mit der Fotokamera den Augenblick besonders wertvoll in Erscheinung treten zu lassen. Seine Aufnahmen hielten stimmige Momente des Dorf- und Landlebens sowie der Familie fest, etliche auch unterhaltsame Szenen wie das Kamel eines Wanderzoos inmitten von St. Moritz, die bekannte Musikgruppe „Ils Fränzlis“, Heuerinnen auf der steilen Kulmwiese und den mutigen Schwimmer, der in den vereisten See sprang.

Ausstellung „I due Giovanni – Giovanni Segantini und Giovanni Giacometti“
Atelier Segantini, Maloja, 2. Juli bis 16. Oktober 2016, verlängert bis 23. April 2017
Kulturarchiv Oberengadin in Zusammenarbeit mit Segantini Maloja
Aus dem Fundus der Kulturarchivs wurden Schriften und Dokumente zur Künstlerfreundschaft zwischen Giovanni Segantini (1858–1899) und Giovanni Giacometti (1868–1933) gezeigt und auf vier illustrierten Paneelen zusammengestellt, übersetzt und erklärt. Die Ausstellung wurde in den Medien ausführlich besprochen und zog viel Publikum an.

Leihgaben an Museen und Schulen
La Tuor, Samedan
Leihgabe: Frizzonis Perpetuum mobile
Sonderausstellung „Die vergessene Moderne im Oberengadin“, 2. Juli bis 16. Oktober 2016

Museum Alpin, Pontresina
Leihgabe: 20 Gegenstände der Englischen Kirche Pontresina
Sonderausstellung „Britische Gäste im 19. Jh. und ihre Kirche in Pontresina“, 19. Dezember 2016 bis 15. April 2017, 5. Juni bis 21. Oktober 2017

Scoula sportiva Champfèr
Leihgabe: Belle-Epoque-Kostüme
Multimediales Theaterstück „Pioniere des Engadins“, Schulhaus Grevas, 6. und 7. Juli 2016

Chesa da Cultura, Stiftung Pro Musica e Cultura, St. Moritz
Programm mit Musikanlässen und Seminaren

Bobmuseum, Celerina
Dauerausstellung über den Bob im Engadin
Gemeindeschulhaus, Celerina

Museo Ciäsa Granda, Stampa
Dauerausstellung über das Bergell und die Künstlerfamilie Giacometti

 

Der Vorstand und der Verein

Der Vorstand traf sich zu einer ordentlichen Sitzung, dazu fanden zahlreiche Besprechungen zwischen den Vorstandsmitgliedern statt.Die Mitgliederversammlung des Kulturarchivs Oberengadin fand am 26. August 2016 in Anwesenheit von 21 Mitgliedern in der Chesa Planta, Samedan, statt.Ende 2016 zählte der Verein Kulturarchiv Oberengadin 133 Einzelmitglieder, dazu 87 Life-Members, drei Kollektiv- und vier Ehrenmitglieder (2015 waren es 140 bzw. 88 und vier).Insgesamt wurden etwa wie im Vorjahr 5000 effektive Arbeitsstunden geleistet, davon rund 2500 bezahlte und 2500 unbezahlte (insb. der Präsidentin, der anderen Vorstandsmitglieder und der freiwilligen Helferinnen und Helfer, siehe Abschnitt „Dank“).

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Lic. phil. Dora Lardelli, Vicosoprano, Kunsthistorikerin, Präsidentin des Kulturarchivs, Leiterin des Betriebes und der Projekte, Inventarisation, Aufarbeitung
Ursula Zischg, Celerina, Schriftsetzerin, Inventarisation, Sekretariat
Edith Wetzel, Bever, Hochbauzeichnerin, Inventarisation
Gian-Nicola Bass, Madulain, Mediafachmann und Techniker
Marlise Gallati, Samedan, Reinigungsarbeiten

Freiwillige Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter, Beraterinnen und Berater
Ernst Amacher, ehem. Gemeindeschreiber, Pontresina, Kontakte
Poldi Berchtold, Makler, Vaduz und St. Moritz, Vorstandsmitglied, Beratung
Patrick Blarer, Architekt, Samedan, Vizepräsident, Einrichtung, Transporte
Mark Blezinger, Regisseur und Fotograf, Digitalisierung, Ausstellungen
Wolfram Bürkli, Samedan, Beratung Ornithologie
Claudio Chiogna, Samedan, Recherchen für Archivbenützer zu Samedan
Ottavio Clavuot, Lehrer, Zernez, Ordnen und Kommentieren von Nachlässen
Andrì Donatsch, Maler und Dekorationsmaler, Celerina, Vorstandsmitglied
Dr. Wolfgang Froriep, La Punt und Zürich, Transkriptionen, historische Texte
Gion Gaudenz, Pfarrer, Celerina, Transkriptionen alter Schriften
Dolf Kaiser, Geschichtsforscher, Zürich und Bever, Mitarbeit und Recherchen
Gustav Sommer, Identifikation der alten „Copialbriefe“ von Pinösch-Gredig
Dr. Silvio Margadant, ehem. Staatsarchivar Graubünden, Chur, Vorstandsmitglied, Fachberatung Archivierung, Lektorat Buch Gustav Sommer
Florio Puenter, Fotograf, St. Moritz, Vorstandsmitglied, Kontakte, Beratung
Gian-Reto Rainalter, Architekt, Zuoz, Vorstandsmitglied, Mitarbeit Transporte
Martin Ruch, Innenarchitekt, St. Moritz, gestalterische Arbeiten und Kontakte
Dr. Susanna Sala Massari, Archivarin, Maloja und Mailand, Vorstandsmitglied, Mitarbeit Archivierung, Digitalisierung
Daniela Seeberger, Vorstandsmitglied, Beratung Finanzielles, Kontakte
Vroni Stoffel, Mitarbeit bei Recherchen und Inventarisation
Dr. Cordula Seger, Kulturhistorikerin, St. Moritz, Mitarbeit, Fachberatung
Verschiedene Freiwillige für diverse Einsätze

 

Lic. phil. Dora Lardelli, Präsidentin
Patrick Blarer, Vizepräsident

 

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